Zum Weltbienentag am 20. Mai

Wegwarten-Hosenbiene Foto: Mechthild Claus
Weiße Bindensandbiene Foto: Mechthild Claus
Gehhörnte Mauerbienen Foto: Mechthild Claus
Gehhörnte Mauerbiene Foto: Mechthild Claus

BIENE, die meisten von uns denken dann an die Westliche Honigbiene (Apis mellifera carnica), die inzwischen weltweit und auch bei uns häufigste Bienenart.

Von den in Deutschland heimischen, wildlebenden Bienenarten sind mehr als die Hälfte auf der Roten Liste und sieben Prozent sogar schon verschwunden.

Bei weit über 500 verschiedenen Arten gibt es auch ganz viele verschiedene Lebensweisen. Vom Gebirge bis zum Sumpf, überall sind Wildbienen als Bestäuber wie die Knoten im Netz des Lebens. Sie brauchen den Schutz ihrer ganzen Lebensräume, denn Nistmaterial und Nistplätze sind für sie nicht weniger wichtig als die passenden Blüten. Damit helfen wir auch vielen anderen Tieren und Pflanzen.

Abgesehen von Hummeln fliegen fast alle Wildbienen nur wenige Wochen im Jahr, denn sie bilden keine Staaten. Jedes Weibchen kümmert sich nur um die eigenen Kinder, von denen, wenn es sehr gut läuft, vielleicht zehn im folgenden Jahr herumfliegen. Viele andere Tiere sind scharf auf den Vorrat an Nektar und Pollen, von dem die Bienenlarven leben, oder fressen sie sogar selbst auf.

Hier in Perleberg, im Garten an unserem Haus, konnte ich schon  mehr als vierzig verschiedene unserer kleinen Wilden fotografieren. Die meisten von ihnen bauen ihre Niströhren in der Erde, manche in den Kalkmörtel-Fugen unseres Schuppens oder in trockenen Pflanzenstängeln. Im Insektenhotel haben sich nur die Gehörnten und die Rostroten Mauerbienen angesiedelt.

Gehörnte Mauerbienen sind ideale Bestäuber für Pfirsiche und frühe Kirschen, Rostrote Mauerbienen kümmern sich um die später blühenden Obstbäume. Den Rest des Jahres leben die Nachkommen dann von den gesammelten Vorräten. Viele Wildbienen sind sehr pelzig und sie kleben gesammelte Pollen auch nicht (wie Honigbienen) mit Nektar in Körbchen fest, was sie zu besonders guten Bestäuberinnen macht.

Wenn die sogenannten Massentrachten wie Baum- und Rapsblüte zu Ende gehen, sind Honigbienen überall in der Landschaft und den Gärten beim Sammeln anzutreffen. Für viele Wildbienen, ganz besonders für die unter ihnen, die auf einzelne Pflanzenarten spezialisiert sind, ist das lebensgefährlich: Ihre Wege werden zu lang und sie bekommen nicht genug Futter für ihre Kinder zusammen. Unter den bedrohten Arten sind besonders viele Spätsommerbienen.

Wildblumen und Wildsträucher sind was wilde Bienen brauchen. Hortensien, Forsythien und gefüllte Rosen finden sie nämlich genauso schön wie Plastikblumen. (Wer mit Wildpflanzen gärtnert, dem*der kann es irgendwann auch so gehen.)

Bei der Auswahl der Pflanzen für Gärten und Grünanlagen müssen wir aber alle umdenken. Neben dem Nutzen für unsere Tiere ist auch entscheidend, welche von ihnen die Klimakatastrophe durchstehen. Regelmäßiges Gießen können wir uns nicht mehr leisten. Von exotischen Pflanzen können unsere Tiere nicht leben. Viele heimische Wildpflanzen sind anpassungsfähig, mit Gewächsen aus Süd(ost)europa können wir sie ergänzen.

Ein Naturgarten ist kein verwildertes Chaos. Es tauchen immer Pflanzen auf, die andere weg drängen und ein Eingreifen nötig machen. Totholz, Lehm und Sandflächen können auch schön gestaltet werden. Allerdings sollten wir uns das regelmäßige Harken verkneifen, wenn die Wegwarten-Hosenbiene im Sand nistet.

Sehr empfehlen möchte ich euch die Webseite www.wildbienen.info von Paul Westrich. Er ist nicht nur ein überragender Kenner der Wildbienenwelt sondern auch ein super Fotograf!

Wer sich für Naturgärten interessiert findet erstklassiges Material bei www.reinhard-witt.de.

Sein neues Buch „Klimawandel: Fluch oder Chance“ sollte meiner Meinung nach jeder gelesen haben, der für Grünflächenplanung Verantwortung trägt.



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